METHODIK

Wie der Kongress von der impliziten Annahme zur neuen Entscheidungsgrundlagen kommt.

Von Zukunftsannahmen zu robusteren Entscheidungen

Unter dem Titel „Real Estate Leadership & Strategy under Uncertainty“ stellt der EBS Immobilienkongress eine zentrale Frage:

Auf welchen Zukunftsannahmen beruhen heutige Entscheidungen in der Immobilienwirtschaft – und wie robust sind diese Annahmen, wenn sich Nachfrage, Technologie, Kapital, Politik oder gesellschaftliche Rahmenbedingungen anders entwickeln als erwartet?

Immobilienentscheidungen binden Kapital, Flächen und Organisationen über viele Jahre. Entscheidend ist daher nicht nur, was heute entwickelt, finanziert oder gebaut werden kann. Ebenso wichtig ist die Frage: Welche Annahmen müssen stimmen, damit heutige Entscheidungen auch in zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahren noch tragen?

Ziel des Kongresstages ist es, die impliziten Zukunftsannahmen der Branche aus unterschiedlichen professionellen Perspektiven sichtbar zu machen, miteinander zu vergleichen und kritisch zu prüfen.

Das Programm ist deshalb als zusammenhängender Entscheidungsprozess konzipiert. Die Impulse und Sessions stehen nicht unverbunden nebeneinander, sondern untersuchen dieselbe Entscheidungslogik aus unterschiedlichen fachlichen Blickwinkeln. Ihre Erkenntnisse werden in der abschließenden Entscheidungssynthese zusammengeführt.

Alle Beiträge orientieren sich an einem gemeinsamen methodischen Raster:

Entscheidung benennen → Annahmen offenlegen → interdisziplinär prüfen → unter plausiblen Zukunftsentwicklungen testen → Frühindikatoren bestimmen → Handlungsoptionen ableiten

Für die Teilnehmenden entsteht damit nicht nur ein weiteres Marktupdate, sondern ein strukturierter Abgleich der Prämissen, auf denen heutige Investitions-, Finanzierungs- und Führungsentscheidungen beruhen.

 
Konzept: So arbeitet das Programm

1. Perspektiven öffnen

Die ersten Beiträge erweitern bewusst den Blick über die klassische Immobilienwirtschaft hinaus. Sie untersuchen Zukunftsannahmen aus technologischer, unternehmerischer und gesellschaftlicher Perspektive – und fragen nach ihren Auswirkungen auf Produktivität, Geschäftsmodelle und Flächennachfrage.

Der interaktive Zukunftscheck stellt zudem die vorab erhobenen Annahmen der Teilnehmenden aktuellen technologischen Entwicklungspfaden und Szenarien gegenüber. So wird sichtbar, wo sich die Erwartungen im Raum mit den fachlich diskutierten Entwicklungen decken und wo relevante Abweichungen bestehen.

2. Entscheidungen in drei Handlungsfeldern prüfen

Die anschließenden Sessions übertragen diese Perspektiven auf zentrale Entscheidungsfelder der Immobilienwirtschaft:

  • Infrastruktur und Investitionen: Welche öffentliche Handlungs- und Umsetzungsfähigkeit setzen private Investitionsentscheidungen voraus?

  • Nachfrage und Finanzierung: Wann werden veränderte Nutzungsanforderungen zu Bewertungs-, Finanzierungs- oder Portfoliorisiken?

  • Kapital und Investitionsalternativen: Welche Zukunft ermöglicht das Kapital – und wie verändern neue Technologien und Geschäftsmodelle die Flächennachfrage sowie den Wettbewerb zwischen Anlageklassen?

3. Erkenntnisse in Entscheidungen übersetzen

In der Entscheidungssynthese werden wiederkehrende Annahmen, fachliche Widersprüche und besonders stark von einzelnen Annahmen abhängige Entscheidungen identifiziert.

Perspektiven aus Projektentwicklung, Finanzwirtschaft sowie Personal- und Organisationsführung helfen dabei, Konsequenzen, Anpassungsoptionen und Verantwortlichkeiten für Unternehmen und Politik abzuleiten.

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Der methodische Ansatz 

Alle Impulse, Vorträge und Panels werden anhand von sieben Leitfragen vorbereitet. Dadurch werden unterschiedliche fachliche Perspektiven miteinander vergleichbar.

1. Blinde Annahme

Welche Annahme über die Zukunft der Immobilienwirtschaft halten Sie für falsch, zu einfach oder zu wenig geprüft?

2. Fachliche Perspektive

Welches Modell, Instrument oder Datensystem aus Ihrem Fachgebiet zeigt etwas, das klassische Immobilien-, Planungs-, Finanzierungs- oder Politikmodelle häufig übersehen?

3. Gefährdete Entscheidung

Welche heutige Entscheidung wäre gefährdet, wenn Ihre Beobachtung zutrifft – und welche langfristigen Auswirkungen wären für wen oder was zu erwarten?

4. Belastungsprobe

Unter welchen zwei plausiblen Zukunftsentwicklungen würde diese Entscheidung stabil bleiben, riskanter werden oder kippen?

5. Frühindikator

An welchem konkreten, öffentlich überprüfbaren Indikator und in welchem Zeithorizont lässt sich erkennen, dass die zentrale Annahme nicht mehr trägt?

6. Implikation für Führung und Strategie

Welche Fähigkeiten, Strukturen, Datengrundlagen oder Formen der Governance benötigen Unternehmen, um solche Entscheidungen systematisch besser zu treffen?

7. Implikation für Politik

Welche Rahmenbedingungen, Regeln oder Förderlogiken müssten sich verändern, damit Investition, Planung, Bau und Betrieb robuster werden und Fehlinvestitionen vermieden werden können?

Begriffe der Methodik

Annahme: Eine Bedingung, die erfüllt sein muss, damit eine heutige Entscheidung langfristig trägt.

Prognose: Eine daten- oder modellgestützte Aussage über eine als wahrscheinlich angesehene Entwicklung. Auch Prognosen beruhen auf Annahmen.

Szenario: Ein in sich schlüssiges Bild einer möglichen Zukunft. Szenarien sagen nicht voraus, was geschehen wird, sondern ermöglichen die Prüfung einer Entscheidung unter unterschiedlichen plausiblen Entwicklungen.

Robustheit: Eine Entscheidung ist robust, wenn sie unter verschiedenen Entwicklungen tragfähig, anpassungsfähig oder rechtzeitig korrigierbar bleibt.

 
Was die Diskussionen auszeichnet

Die Leitfragen werden den Referierenden bereits im Vorfeld zur Vorbereitung zur Verfügung gestellt. Jeder Beitrag benennt eine zentrale Annahme, begründet sie fachlich und verbindet sie mit mindestens einer konkreten Entscheidung.

Aussagen werden mit fachlicher Evidenz, Modellen oder Daten verbunden. Szenarien werden als plausible Möglichkeiten und nicht als sichere Vorhersagen behandelt. Frühindikatoren sind konkret beobachtbar und möglichst öffentlich überprüfbar.

Die Moderierenden führen die Leitfragen nicht schematisch als Katalog durch. Sie machen Annahmen sichtbar, arbeiten Gegenpositionen heraus und stellen Verbindungen zwischen den Sessions her. Unterschiedliche Einschätzungen werden nicht vorschnell aufgelöst: Gerade der begründete Widerspruch zeigt, von welchen Bedingungen eine Entscheidung abhängt.

 
Das Ziel: Am Ende die besseren Fragen stellen

Der Kongress soll keine einheitliche Prognose oder vermeintliche Zukunftssicherheit liefern. Am Ende kehrt er bewusst zu seiner Eingangsfrage zurück: Auf welchen Annahmen beruhen heutige Entscheidungen – und wie gut sind diese Annahmen tatsächlich geprüft?

Im Mittelpunkt stehen dabei gerade jene impliziten Annahmen, die den Modellen und Entscheidungen immobilienwirtschaftlicher Akteure zugrunde liegen, innerhalb der Modelle selbst aber häufig nicht abgebildet oder hinreichend geprüft werden.

Ziel ist nicht vorschneller Konsens, sondern mehr Klarheit darüber, was wir wissen, was wir annehmen und was noch genauer untersucht werden muss:

Welche Annahmen sind tragfähig?

Welche sind falsch, zu einfach oder widersprüchlich?

Und welche müssen besser geprüft werden?

 

In Medienkooperation F.A.Z. Frankfurter Allgemeine Zeitung.

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